Der Kreter als Geschäftsmann

Der Ort der Handlung ist eine Papierhandlung in Paleochora. Die Öffnungszeiten sind 9.30 bis 14.30 und 18.00 bis 22.00, täglich außer Sonntag. Meistens sitzt der Mann, manchmal seine Frau, manchmal der Sohn im Geschäft, es gibt dort die üblichen Sachen wie Blöcke, Schreibwaren, Bücher, Spielzeug und einen s/w Kopierer. Nachdem es auch viel Zeit gibt, wo keine Kunden im Geschäft sind, wird viel geplaudert und man kann Bücher oder was auch immer hinbringen und zum Kopieren dort lassen, am nächsten Tag holt man es ab, wunschgemäß. Für eine Kopie zahlt man 10 Cent, für die Arbeit des Kopierens nichts. Der Besitzer hat – wie die meisten hier – auch Olivenbäume und geht jetzt in diesen Tagen Oliven ernten und  verbringt viele Stunden mit schwerer Arbeit.  Jedenfalls sitzt er am Abend dann, meist schon körperlich müde im Geschäft und wartet, ob nicht doch der eine oder andere – vor allem jetzt wo keine Touristen mehr da sind – in das Geschäft kommt, zumindest um zu plaudern oder vielleicht doch etwas zu kaufen.

So kamen wir eines Abends hin und brachten ihm 2 Kochbücher mit der Bitte, ein paar Seiten davon heraus zu kopieren. Weil er sich wohl mehr über den Besuch und die daraus folgende Abwechslung und das Plaudern mit Monika in Griechisch freute, als über das zu erwartende Geschäft, fing er gleich an zu kopieren. Zuerst kopierte er etwa 10 Seiten von dem einen Buch – sehr sorgfältig auf Vorder- und Rückseite kopiert und auf A4 vergrößert – und dann begann er mit dem zweiten Buch. Nach ein paar Seiten streikte der Kopierer, eine Sicherung ist gegangen und er hatte keinen Ersatz. Er empfahl uns ins Foto-Geschäft zu gehen –  der hat sogar ein Farb-Kopiergerät –  weil er die neue Sicherung in Chania besorgen muss, Das wird ein paar Tage dauern bis er dort hin kommt. Wir bedankten uns und wollten zahlen, worauf er sich weigerte Geld anzunehmen. Auf die Frage „warum?“ (griechisch „jati“) erklärte er in völliger Überzeugung, dass er den Auftrag nicht erfüllen konnte und daher kein Geld nimmt. Alle Versuche ihm für die kopierten Seiten zu zahlen waren vergeblich, seine Haltung erlaubte es ihm nicht, von uns Geld zu nehmen.

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